
Texte von Jeremias Gotthelf neu gelesen und von der Lausanner Jazz Gruppe No Square vertont.
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Hören: Der Roman Anne Bäbi Jowäger gekürzt und alfabetisch geordnet.Bitzius zum 150. Todestag
Eine Hommage
Warum immer wieder Gotthelf? 200. Geburtstag! 150 Todestag! Weil das Werk von Herrn Bitzius wohl oder übel seit 14o Jahren zu unserer Literatur, zu unserer Kultur und zu unserem Bewusstsein gehört. Wer noch nie etwas von ihm gelesen hat, der hat etwas von ihm am Radio gehört. Wer nichts von ihm gehört hat, der hat auf Bühne oder Leinwand etwas von ihm gesehen. Wer nichts von ihm gesehen hat, der hat dafür schon selbst bei etwas mitgespielt. Wer aber noch nie in einer nach ihm benannten theatralischen oder filmischen Belustigung mitgewirkt hat, wohnt an einer nach ihm benannten Strasse, hat in einem nach ihm benannten Schulhaus lesen gelernt oder hat mindestens eine nach ihm benannte Wurst gegessen (Währschaft u guet!) oder einen nach ihm be¬nannten Wein getrunken. Zu keinem andern literarischen Werk haben in der Schweiz und besonders im Kanton Bern so viele Menschen wenigstens einen oberflächlichen Bezug, ohne auch nur eine einzige Originalzeile darin gelesen zu haben. Dieser Sachverhalt ist für marketingversierte Geschäftsleute nicht uninteressant, auch ist er ein Beispiel für die Natur des wirklich durchschlagenden literarischen Erfolges.
Dennoch gibt es in Bern nach wie vor Leute, die nicht wahrhaben wollen, dass Bitzius unser Dichter ist. Ob wir dies nun wollen oder nicht, Albert Bitzius ist unser Dichter. Er ist unser Cervantes, unser Shakespeare. Unser Goethe heisst Bitzius. Da kann man sich sträuben wie man will. Seine blinden Feinde wenden hier natürlich ein, jedes Land habe die Dichter, die es verdiene. Dabei werden sie nicht müde, Vorurteile zu kolportieren oder gar ihre eigene aufgeklärte Fortschrittlichkeit ins Feld zu führen. Ändern können sie doch nichts. Bitzius ist unser Dichter. Das steht fest. Und weil sich das nicht ändern wird, sollte man sich darauf einstellen, mit Gelassenheit, versteht sich. Es ist sinnlos, sich darüber aufzuregen, dass der spätere Bitzius zwischendurch seitenlange Predigten in seine Romane eingebaut hat. In seinen frühen Werken hat er dafür eine Feder geführt, die war so genau und spitz, dass bis zu Niklaus Meienberg alle Welt vergessen hatte, wie frech, gewitzt und gewandt auch ein Schweizer Literat notfalls sein kann. Und natürlich war Bitzius kein Linker, nicht einmal ein Liberaler, aber ein gläubiger Christ und Moralist, als solcher ebenfalls einer Utopie verpflichtet und deshalb bei vielen ebenso verhasst wie vor ein paar Jahren noch ein währschafter Roter. Nein, niemand braucht sich seiner zu schämen. Was er aber verdienen würde, das ist etwas mehr Schutz vor seinem Erfolg und damit vor seinen falschen Verehrern und Verehrerinnen. Es wäre ihm etwas mehr Denkmalschutz zu gönnen. Vielleicht ein Moratorium für die oft an Grabschändung grenzende Missachtung seiner Sprachkunst, ein Moratorium für die Verharmlosungen seiner Geschichten auf Märkten und Bühnen! Ein Moratorium für alle Hörspiele in erfundener Mundart! Wenigstens für die allerunsäglichsten unter all den schlechten Filmen ein Vorführverbot! Jetzt, zum 150. Todestag, wäre dieses Geschenk Albert Bitzius zu gönnen. Immerhin ist er unser Dichter.
Das Volk des Volksschriftstellers
Figurenkabinett
Anstatt Weisheiten literarische Leckerbissen. Kurzporträts aus Gotthelf's Werken:
Rösi
Rösi zog ein gar schiefes Gesicht und tat zimperlich und trippelte mit allerlei Gebärden um die Knechte herum und übte den eigenen Augenaufschlag und das Blinzen durch die Augenecken, welche beide zu Stadt und Land wohlbekannt sind.
Michel
Michel war ein junger Laffe, tat dümmer, als er war, meinte, unter den Leuten müsse er so recht spienzeln seinen Kübel im Maul, seinen Ring am Finger und dazu ein Gesicht machen, als ob er allen Pfeffer auf dem ganzen Erdboden gefressen hätte.
Michel2
Michel das Ungeheuer hatte Haar wie Besenstile, Augen wie Pflugsrädli, e Nase wie e Leberwurst, es Mul wie ein Schüttstein, e Hals wie e Muni und e Gring wie ein Kohlhaufe!
Michels Bäri
Bäri war ein ganz vortrefflicher Hund, mit Löwenkraft und Menschenverstand, daher auch wie ein Zwilingsbruder von Michel geliebt. Im grössten Streit half Bäri seinem Meister nie ungeheissen, ausser wenn derselbe fiel, dann hätten wir niemandem, dem sein Leben lieb gewesen, raten mögen, Michel anzurühren.
Die Base mit der langen Nase
Die Base mit der langen Nase, stiess mit ihrer spitzigen Zunge, welche noch spitziger als die Nase war, in der ganzen Verwandtschaft herum, spiesste ein Glied nach dem andern, hielt es kürzer oder länger über das heisse Feuer ihrer Bemerkungen.
Der Schulkommissär
Der Schulkommissär tat den Mund auf und zeigte dem lieben Gott die Zähne auf eine Weise, dass man hätte glauben sollen, er wolle mit ihm Streit anfangen; zugleich schnellte er ihm Worte in einem gebrochenen Mordiodeutsch zu, dass es knatterte wie Rottenfeuer, knarrte wie Steine in einer Kaffeemühle.
Eine Kuh
Die Kuh war mager, strub anzusehen, hatte noch lange nicht ausgetragen.
Eine Kuh
Sie war nähig, leicht in den Hörnern, fein von Haaren, hintenaus wie ein Eisenwecken, kurz, wie man die Kühe, von denen man Milch haben will, gerne hat.
Eine Kuh
Die Kuh war ein Ausbund von Schönheit und Güte.
Mareili vom Milchmusgraben
Mareili vom Milchmusgraben war ein prächtig Meitschi, aber in seine Hände passte ein Morgenstern besser als eine Nähnadel; Kühnheit sass ihm auf der Stirne, dass man damit einen ganzen Rudel von verlaufenen Doktoren und Professoren hätte versehen können.
Die blasierten Leute
Die blasierten Leute gehen durch die Welt, als hätten sie weder Augen noch Ohren noch eine Nase zum Riechen. Sie mögen kommen woher sie wollen, sie wissen nichts, haben nichts gesehen, nichts gehört.
Die blasierten Leute2
Die blasierten Leute können höchstens sagen, was sie gegessen und getrunken, und was für Kleider der angehabt und welche diese.
Die Wirtstochter
Die Wirtstochter steckte ihren Daumen tief ins Kraut, welches sie auftrug, machte ein gar missvergnügt Gesicht, wenn sie einmal aufstehen musste, und gnepfte durch die Gaststube, als ob sie an jedem Fusse fünf Hühneraugen hätte.
Herr von Halten
Der Herr von Halten war ein ehrbarer Mann, aber so eine Art von Nachthaube, er dachte nicht viel, tat nicht viel, ass und trank desto mehr und so gut, wie er es haben konnte. Seine zahlreichste Habe waren neun Töchterlein...
Ein Mann
Seine Haut im Gesicht war fast schwarz, ob von Natur, oder weil sie nie gewaschen ward, blieb schwer zu ergründen. Das Vorderhaupt war kahl, stark gebogen, die Nase ebenfalls.
Ein Mann 2
Er redete zwar sehr viel, wenn er dazu kam, doch ging es ihm schwerfällig von Handen, als ob es am Räderwerk fehle; nicht so war es beim Essen: der Mund war offenbar mehr zum Beissen als zum Reden eingerichtet.
Die zweite Frau
Sie stellte eine Person vor mit sieben Kröpfen rings um den Hals, schwammigem Gesicht, plumper Gestalt, Schweinsaugen im Gesichte, eine viereckige Nase darunter und darunter ein Maul, weit geschlitz und tief, fast hätte man ein einspännig Fuhrwek darin wenden können.
Vetter Hansli
Vetter Hansli war ein Prachtkerl, besonders für alle, welche ihn nicht näher kannten, sondern bloss reden hörten oder ihn von weitem sahen. Er redete von allem, er handelte um alles, er erlaubte sich alles, er übertraf alles, kurz, er war eben ein Prachtkerl.
Der Meister von Zürich
Der Meister von Zürich war ein Mann von einigen dreissig Jahren, ein Müssjö, kein Ratsherr, wäre es aber möglicherweise gern gewesen, wenigstens war ihm nichts recht, was die Ratsherren machten, und er wusste immer zu sagen, wie sie es hätten machen sollen.
Die Frau Meisterin von Zürich
Die Frau Meisterin war eine Madam, wandte mehr Zeit auf die Toilette als auf die Küche, war lieber im Theater als an der Arbeit, und wenn sie einmal dazu gelangen konnte, dass ihr Mann mit ihr ausfuhr, so hatte sie keine böse Laune.
Frau Meisterin 2
Zuweilen und namentlich an einem Morgen sah die Frau Meisterin aus wie eine Speckseite, welche direkt aus der Rauchkammer kam, und hätte man sie an eine Wand geworfen, so wäre sie daran kleben geblieben wie eine Fliege.
Die waadtländer Meisterin
Die waadtländer Meisterin war war eine ziemlich grosse, hagere Person, blass von Farbe, hatte einen geschlossenen Mund, Augen voll stillen Feuers, welches nicht nach aussen flackerte, inwärts brennen musste.
Die waadtländer Meisterin2
Sie war eins von den Wesen, welche kein Geräusch machen in dieser Welt, sie kommen und gehen, die Arbeit schwindet unter ihren Händen, aber man hört es nicht, merkt es nicht. Man merkt erst, wenn sie nicht mehr da sind, was sie gewesen sind.
Der Berner Meister
Der Berner Meister war Zunftmitglied. Er war ein hablicher Mann, verstand sein Handwerk, ärgerte sich schrecklich, wenn seine Mitburger bei fremden Halunken, wie er alle Meister nannte, welche nicht Burger waren, arbeiten liessen.
Grimhilde von Koppigen
Von je böser als schön, hatte sie jetzt borstige, geradeherausstehende Haare um den Mund, wie sie bei Katzen üblich sind.
Grimmhilde 2
Grimmhilde war lang und hager, hatte schwarze, stechende Augen, eine krumme Nase, hatte eine Stimme, welche tönte wie Peitschenhiebe, und wenn sie ging, machte sie Schritte, als wollte sie über den Schlossgraben springen.
Doktor Dorbach der Wühler
Er verstand es, zu demonstrieren, dass alles ausser ihm nichts sei und sein Ich die einzige wirkliche Exitenz oder das einzige Wesen, welches eine wirkliche zu beachtende Existenz hätte.
Melanie (früher Mädi)
Melanie verstund sich auf deutsche und welsche Redensarten und war daneben ein hübsch Maitle, hatte glatte, glänzende Haare, das Schaubhütchen neigte sich kühn gegen das eine Ohr, schön rot und weiss waren die Wangen....
Melanie 2
...dass bereits einige Zähne kaputt gegangen, wusste Melanie geschickt zu verbergen. Daneben war sie aufgeputzt, glänzend und prächtig, glitzerte hinten und vornen. Sie zog nur einen Handschuh aus, produzierte eine ganz passable Hand (wahrscheinlich hatte die Seife zum Bleichen der andern nicht ausgereicht).
Kathri
Kathri hatte weder Ringe an den Händen, noch brauchte es viel Seife, und was besonders auffiel, es verstand kein Schöndeutsch...
Kathri2
...das heisst, es war in keiner Schule erzogen worden, in der man ein Mordiodeutsch sprach. Ein alter, ehrlicher Schulmeister hatte ihm bloss das Berndeutsch gründlich eingebläut. Zu allem dem war es äusserlich nicht schön....
Kathri3
Kathri war eine kleine, dicke Person mit einem Gesicht, so wie ungefähr aus Holz geschnitzt, hatte nichts als ein grausam gross Herz, gewaltig voll Liebe und doch noch keinen Schatz!
Jakob
Jakob war ein stolzer Geselle, hatte Ideen in den Leib gekriegt, einen Schnauz ins Gesicht, dunkle Backen, und zornige Augen konnte er machen, dass die Fliegen zitterten an der Wand.
Die Krämerstochter
Die Krämerstochter soll hübsch, aber auch gefallsüchtig gewesen sein, in der Haushaltung und auf dem Felde nichts getan, sondern dem Laden abgewartet und auf dem grünen Bank vor demselben getan haben, als ob sie nähe oder lisme, was sie leider bös genug konnte.
Rösi
Rösi missfiel alles um ihns herum. Nicht nur die Finger waren schmutzig, sondern alles an ihm. Es klagte nebenbei so recht zimperlich über das Arbeiten, und wie ihm das erleidet sei, es Kopfweh und Krämpfe mache.
Sechs sackers schöne Schweine
Sie waren langgezogen und doch heruntergewachsen, mit geringelten Schwänzen und glattem Haar und bsunderbar schönen Ohren, auf welche bei den Schweinen viel mehr gesehen wird als auf die Augen.
Mädi von der Rosebabisegg
Mädi von der Rosebabisegg war die älteste und bedeutendste der Schwestern. Gross, schlank, mit wilden, kühnen Augen, welche in milder und schalkhafter Mund gut machte, sonst hätte man sich fast fürchten müssen.
Der Herr Amtschreiber
Derselbe war ein spitzes, mageres Männchen, das der Land¬vogt fast in die Kuttentäsche hätte stossen können, wenn die Nase nicht gewesen wäre, denn die war gar lang und spitz und recht gemacht, für sie in alles zu stecken.
Die Base
Die Base hatte den ganzen Tag das Wasser in den Augen, aber lauter heitere, aufmunternde Worte im Munde, sie hatte eine Gewalt über sich, welche allen Gebildeten zu wünschen wäre.
Die Mutter von Peter Käser, dem Schulmeister
Sie war nicht gross, nicht klein, ohne besondere Merkmale, aber mit vor der Zeit verwitterten Zügen; am Sonntag wenn sie das Haus verliess und gewaschen und gekleidet war, nicht eben hässlich, in der Woche aber und zu Hause oft einem Haaghuuri ähnlicher als einem Menschen.
Die Witwe
Wer kennt nicht die alte, reiche, geizige Witwe, die, solange ihr Mann lebte, nie ins Wirtshaus ging, nie ganze Milch brauchte, und die jetzt Abendsitz hat, jungen Bueben Brönz und Brot gibt, bis sie selbst keins mehr hat, und jüngst noch gar ins Wirtshaus ging, mit dem lahmen Schuhmacher tanzte....
Die Witwe2
Die Witwe, die ins Wirtshaus ging, mit dem lahmen Schuhmacher tanzte, bis sie übereinan¬der pürzelten, und einem andern jungen Lappi an der Hand hing und dr tusig Gottswille anhielt, er soll doch nicht in die Fremde gehen, sie könne es nicht machen ohne ihn.
Der Reisende
Er wollte von Frauenkappelen nach Bern und befand sich end¬lich nach vielem Schimpfen auf der Brücke von Gümmenen. Er bürdete der Regierung die Schuld seiner Verirrung auf und schimpfte beständig, ihre Wegweiser taugten nichts, weil man trotz derselben verirren könne.
Der Reisende2
Dass er halbblind und unbesonnen sei, hatte der Reisende sein Lebtag nicht glauben wollen und nie gemerkt, dass seine eigene Nase es sei, die ihm vor den Augen stund, ihm alle Ausssicht nahm, und die er bald für die Welt selbst ansah, bald für den Wegweiser der ganzen Welt.
Die Schulmeisterin und der Schulmeister
Sie war eine Frau wie eine Rüebräffle, oder wie ein Kässchaber. Der Mann war kränklich und bildete sich aber noch mehr Übel ein, als er hatte, verdökterlete bei allen Zungen- und Wasser-Gschauern, was er auf- und anbringen mochte, und selten ver¬ging ein Tag, wo er nicht im Ofenguggeli einen Hafen mit Trank zu stehen hatte.
Die Schulmeisterin und der Schulmeister2
Die Schulmeisterin schien durchaus unbarmherzig. Der Mann mochte husten und berzen, so nötlich er wollte, sie zeigte ihm kein Mitleiden; wenn es gut ging, so sagte sie, es düech se, er sött afa möge höre. War sie aber übler Laune, so sagte sie ihm kurz und bündig, wener neuis möchti thue un-er nit sone Fule wär, so hätt er nit sövli z’gruchse.
Die Witwe Garnlise
Die Witwe Garnlise war in ihren besten Jahren, das heisst zwischen vierzig und fünfzig, rüstig und appetitlich noch. Ein Mundstück hatte sie wie eine Schlange, und eine Tochter, mit Armen und Beinen und anderen Zutaten wie man sie gerne hat, und schüch war sie auch nicht.
Der Pfarrer in der Schnabelweid
Der Pfarrer in der Schnabelweid ist so eine Mejestätsperson, eingehüllt in dichten Dunstkreis von Amt und Würde, und man weiss nie, wann es aus dieser Wolke blitzen und donnern wird, ob man gelegen oder ungelegen kömmt.
Der Pfarrer von Gytiwyl
Er war ein Mann in seinen besten Jahren, noch nicht vierzig, mit sprechenden Zügen, lebhaft in allen seinen Bewegungen, und immer ungeduldig, bis er zum Worte kam; und wenn er es einmal ergriffen hatte, so konnte ein anderer zusehen, wie er auch zu einem kommen wolle.
Die Köchin von Thun
Sie erhielt vom Besenmannli, zwei ganz kleine Handbeselchen für den Herd die sind sehr kommod für Köchinnen, welche auch die Ecke gerne rein haben. Das sind die, welche sich auch an den Werktagen waschen und sogar hinter den Ohren, so gar häufig sind die aber nicht.
Der Besenbinder
Seine Birken kannte er nachgerade alle, ja, für sich hatte er den Weiden und sogar einzelnen Bäumen bestimmte Namen gegeben, den schönsten Birken schöne Namen, Anne Mareili zum Beispiel, Liseli, Röseli, Sternenblume usw.
Der Besenbinder2
Diese Bäume freuten ihn das ganze Jahr über, er teilte die Lust, ihnen ihre Reiser abzunehmen, sich ordentlich ein, behandelte die Bäume mit Zärtlichkeit, brachte die Besen von denselben seinen liebsten Kunden. Das waren denn auch wirkliche Staatsbesen.
Des Besenmachers Mädchen
Des Besenmachers Mädchen war ein vierschrötig Ding mit breitem Gesicht, ihre grössten Schönheiten waren ein gutes, treues Herz und unermüdlicher Fleiss.
Burä uf äm Hühnersädel
D Burä uf äm Hühnersädel, das sind rechte Leute auf die alte Mode, die beten und arbeiten, haben Gott und den Nächsten lieb, haben Sorg zu Geld, halten nichts auf Hoffart und gönnen doch sich und den andern, was recht und billig.
Burä uf äm Hühnersädel2
D Burä uf äm Hühnersädu sind nicht überkindet, es sind ihrer viere, zwei Buben und zwei Meitli vom rechten Schlag. Sie haben Posturen wie Flüh und Gringe wie Sonneblume, nid so spitzi, bleichi Näyergringli, wo ein an nicht besser mahnen als an ermagerte Gufenknöpf.
Hans Berner
Hans Berner war ein wackerer Metzgermeister, verstand sein Handwerk wohl und war ein braver Mann dazu. Gross und vierschrötig war er und zudem weit und breit bekannt für seine Kraft.Wenn er, seinen Schnauz, so hiess sein Hund, hinter sich, über Feld ging, so trug er unbesorgt seinen Gurt voll Geld.
Sämeli
Sämeli sah wie ein Bengel aus und wollte nur die Handlung lernen. Er kam ins Welschland, kostete seinen Vater ein Sündengeld und war ein Schmiggel von der Sorte, welche sich aufdonnert nach Möglichkeit mit Gold und Guttuch und innerlich versinkt in Schweinerei und Dünkel.
Die Berner Söhne
Sie liebten niemand, sie lebten für niemand, sie liebten und lebten nur für sich, gönnten den Eltern den Tod, aber keinem Armen einen Bissen Brot.
Elsi
Elsi war nicht nur gross, sondern auch stark gebaut uns schön von Angesicht. Gebräunt war dasselbe wohl, aber wohl geformt, länglicht war das Gesicht, klein der Mund, weiss die Zähne darin, ernst und gross waren die Augen.
Christen
Christen, der von seiner Mutter einen schönen Hof besass, war hübsch und stolz, keinen schöneren Kanonier sah man an den Musterungen, keinen tüchtigeren Bauer in der Arbeit und keinen kuraschierteren Menschen im Streit.
Ueli
Uli war ein grosser, schöner Bursche, noch nicht zwanzig Jahre alt, von kraftvollem Aussehen, aber mit etwas auf seinem Gesichte, das nicht auf grosse Unschuld und Mässigkeit schliessen liess, das ihn im nächsten Jahre leicht zehn Jahre älter konnte aussehen lassen.
Eiseli
Eiseli war ein Prachtmädchen, wie sie selten sind, so eine recht schöne Oberländerin mit der feinen Haut, den feinen Zügen, dem reichen, blonden Haarwuchs, der schlanken Figur, den kräftigen, leichten Bewegungen.
Eiseli2
Die Luzerner sagen von einem Mädchen, wenn sie es recht loben wollen, es könne schön beten und gut tanzen. Wenn Eiseli sang, so war es, als streckten die Berge sich höher auf, als ständen die Bäche still, den Menschen schwoll das Herz auf, und in die Augen kam das Wasser.