beat sterchi
Nume gäng hü mit Gotthäuf

Mache si Gotthäuf?
Mache si chly Gotthäuf?
Eifach chly Gotthäuf?
E werum nid chly Gotthäuf?

Hanni ghört Gotthäuf?
Itz wyder Gotthäuf?
Nume gäng Gotthäuf?
Itz scho wyder Gotthäuf?

Mir mache huerä viu Gotthäuf.
Mir mache überhoupt nüm viu Gotthäuf.
Angeri mache viu meh Gotthäuf aus mir.
Mir mache no am wenigschte Gotthäuf

Dr Gotthäuf zieht haut.
Dr Gotthäuf finge si luschtig.
Wägem Gotthäuf chömme si.
Dr Goffhäuf kenne si.

Mache si Gotthäuf?
Mache si chly Gotthäuf?
Eifach chly Gotthäuf?
E werum nid chly Gotthäuf?



Gotthelf 2004:
Als Nationaldichter schlecht geeignet.



Albert Bitzius ist einer der wenigen Autoren, die man nicht zu lesen braucht und doch mindestens so etwas wie eine Ahnung von ihm hat. Unter Gotthelf verstehen alle irgend etwas.
Oft hat dieser Gotthelf aber nichts mehr mit seinem Werk zu tun. Mit dem allerneusten Medienerfolg legt sich abermals ein Schub gesamtschweizerische kultivierte Sympathie für den grossen Dichter über ihn. Unser Gotthelf! Wie gut, dass es ihn doch gibt!
Es gibt aber kaum etwas so Unschweizerisches wie diesen Jeremias Gotthelf alias Albert Bitzius. Man reduziert, zähmt, verharmlost ihn, stellt ihn als Bauerndichter hin und fragt sogar, ob man seine Werke heute noch lesen könne. Dabei ginge es ihm heute ungefähr so wie einem Niklaus Meienberg. Vor 150 Jahren war Gotthelf alles andere als harmlos und populär.
Es besteht zwar kein Zweifel, dass er als Pfarrer, Familienvater und Schulkommissionspräsident eine ziemlich normale, zivilisierter und umgängliche Person darstellte, aber unschweizerisch konsequent kämpfte er für seine Ideale und Überzeugungen. Er hat sich mit Behörden angelegt und hat immer wieder ausgesprochen, was niemand hören wollte. Er schrak nicht davor zurück, jedes Kind beim Namen zu nennen.
Als Literat war er gar ein unschweizerischer Extremist. Allein die Ausmasse seines Werkes sind eigentlich eines Kleinstaatlers unwürdig. Tüchtig sein ist wohl eine Schweizerische Tugend, aber doch bitte nicht gerade soooo tüchtig! Und wer immer wieder auffällt, bis nach Berlin seine Bücher verkauft, der gerät in den Verdacht, das hier vorherrschende gesunde Mittelmass der bürgerlichen Gesellschaft sprengen zu wollen.
Dazu kommt noch diese absolut unschweizriesche Eloquenz, diese Äusserungwut. Dieser Mitteilungszwang, dieses permanente Angehen gegen die Verkleinungssucht. Dann diese so schlecht verhüllte Streitlust!
Nein, jede Tugend, die man hier hoch und heilig hält, ist seinem Schreiben fremd. In seinen Werken ist er das schlichte Gegenteil von ordentlich und zuverlässig, er ist auch weder umgänglich, noch zurückhaltend, noch neutral oder kompromissfreudig. Absolut unschweizerisch mischt er sich überall ein, absolut unschweizerisch, weiss er überhaupt nicht auf seinen Mund zu sitzen. Absolut unschweizerisch schreibt er sogar gnadenlos direkt über öffentliche Personen.
Man darf doch bitten!
Besser zu viel gefressen, als zuviel geredet, das ist schliesslich der Masstab, dem sich dieser literarische Megallomane zu stellen hatte.

Erschienen im Oltener Tagblatt
Montag, 25. Oktober 2004,

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