beat sterchi
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Ein Weg ausserhalb der Zeit

Gehen. Darum geht es. Nur um das Gehen. Ich gehe.
Beharrlich gehe ich querfeldein. Ich gehe auf Hauptstrassen, ich gehe auf Naturstrasssen, auf Sumpf- und Saumpfaden, ich gehe auf Wegen aller Art.

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Auf Gotthelfs Spuren nach Luthern im Luthertal





Erntestolz

Einige Zeit vor dem Ausbruch des Schweizerischen Sonderbundkrieges unternahm Jeremias Gotthelf zu Fuss eine Reise nach Luthern, um sich dort vor Ort ein eigenes Bild der Situation zu machen. Sein Bericht erschien 1842 unter dem Titel: "Die Jesuiten und ihre Mission im Kanton Luzern". Ich wanderte  buchstäblich auf seinen Spuren.  Dabei war ich bestrebt, der Welt ebenso aufmerksam zu begegnen, wie er es getan hatte. Mit mindestens einer gesicherten Erkenntnis kam ich zurück: Gotthelf war sehr gut zu Fuss!                                                                                                                                                   

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Impressionen aus Nord-Irland












Bushmills und Guiness

Schon der Anflug. Die Twinotter sackt immer von neuem und jedes Mal tiefer ab in die Nacht. Von Glasgow her schraubt sie sich über dem Kanal durch eine Wolkensuppe, die feucht durch die Luftdüsen in die Kabine stäubt. Es ist eine Feuchtigkeit, die mich berührt, die mir unter den Mantel kriecht, die während meines Aufenthalts nicht mehr von mir lassen wird. Nord-Irland? Um Gottes Willen! Was wollen Sie da? Hat man mich so oft gefragt.

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Bern-Zürich-Skopie-Ohrid-Skopie-Zürich-Bern





Ein Reisebericht aus der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien 

Bücher

Als ich in den beiden bernischen Bücherwarenhäusern nichts zu Mazedonien gefunden hatte, fragte ich noch im Riesebuchladen nach. Die Verkäuferin an der Kasse tippte auf ihrer Tastatur herum, blickte ungeduldig auf den Bildschirm und schüttelte den Kopf. Sie sah dabei irgendwie unglücklich aus.
”Machen Sie sich keine Gedanken”,sagte ich, ”Ihre Konkurrenten mit den grossen Läden haben auch nichts”.
”Es gibt aber auch nichts”, sagte sie leicht frustriert.
Nicht einmal die ehemals berüchtigte Osteuropabibliothek hatte viel zu bieten. Jedenfalls nichts Aktuelles. Und nicht auf Deutsch und auch nicht auf Französisch oder Englisch. Dafür war der Bibliothekar, der sich als Pole ausgab, äusserst hilfsbereit. Er brachte mir eine für kapitalstarke Geschäftsleute gedachte Beilage der Fankfurter Allgemeinen Zeitung, auch ein Handbuch Jugoslawien für Autofahrer und Rucksackreisende aus dem Jahr 1987, das zumindest Pläne von Skopie und wertvolle kunsthistorische Hinweise enthielt. Die FAZ-Beilage dagegen bestand ausschliesslich aus Artikeln, die versuchten, investitionstechni¬sche Vorbehalte gegenüber dem jungen Land zu widerlegen.
Lachend sagte der polnische Bibliothekar zum Abschied: ”Sie fahren in ein neues Land, über das Sie nichts wissen, das ist doch aufregend, als ob Sie mit der Lektüre eines Romans beginnen würden”.



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Immer Ärger mit den Polen!














Bericht über eine Reise vom 14. bis zum 19. Juni 1989 nach Auschwitz und in die Karpaten.

Im Jahr 1989 weilte ich für ein halbes Jahr in Berlin. Im Juni machte ich eine Reise nach Polen. Im Herbst fiel die Mauer.
Polen hatte sich damals schon aus seiner Isolation hinter dem Eisernen Vorhang gelöst und war in dem nur ein gutes halbes Hundert Kilometer entfernten Westberlin längst wieder zu einem Thema geworden. Anders als die Bürger und Bürgerinnen der DDR durften diejenigen aus Polen bereits in den Westen reisen. Das Kursgefälle zwischen den Währungen war jedoch noch so gigantisch, dass dies für die meisten praktisch unmöglich war. Auf dem sogenannten Polenmarkt, der auf einem Parkplatz beim Kulturforum, irgendwo zwischen Tiergarten und der Mauer stattfand, wurden damals auf der verbeulten Kühlerhaube eines rostigen Ladas oder auf dem Heck eines klapprigen Skodas von geduldig daneben stehenden Männern kaputte Werkzeuge feilgehalten. Auch einzelne Socken, angebrauchte Seifen, abgenutzte Autoreifen, verbeulte Blechtassen und ähnliches mehr. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die vielen Wecker. Fast auf jedem der Tücher, die sich die knienden Frauen als Verkaufsfläche zurechtgelegt hatten, stand ein Wecker. Ein paar wenige Pfennige waren umgerechnet offensichtlich ein Vermögen wert und die allgemeine Lage in Polen noch derart schlecht, dass man sowohl die langen Wartezeiten an der DDR-Grenze wie auch die Erniedrigung, diesen Schrott überhaupt zum Verkauf anbieten zu müssen, auf sich nahm.

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Kleine Reise zum Matterhorn





Kommt her und seht an die Werke Gottes

Erschienen in der Kulturzeitschrift Eigenart "Am Berg" 2002

Am nächsten Tag machte ich mich auf nach Zermatt. In der roten Zermattbahn sass schon ein Gruppe von Frauen vermutlich aus Thun oder Umgebung, die sich gemeinsam nach Zermatt in den Skiurlaub begaben. Sie benützten eine ziemlich ordinäre Sprache, die nicht zu ihren bunten modischen Skiausrüstungen und ihren modischen Frisuren passte. Wie nä Morä! hörte ich immer wieder. Ich richtete mich mit meinem Buch auf die knapp zweistündige Fahrt ein, las Michels Brautschau fertig und schaute zwischendurch zum Fenster hinaus in das enge Tal. Ich erinnerte mich an eine andere grossartige Zugfahrt durch ein enges Tal. Eine Fahrt, die weltweit wohl ähnlich viel Ansehen geniesst oder eine vergleichbare Berühmtheit erlangt hat. Das ist die Fahrt auf den Machu Pichu, respektive zu der Talsstation der eigentlichen Bergbahn. Und ich begann Ausschau nach dem Matterhorn zu halten. Das Matterhorn hatte ich nämlich noch nie mit eigenen Augen gesehen, was mit ein Grund war, mir diesen Ausflug zu gönnen.


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Im Auto von Tarifa nach Ronda




Tarifa ist die südlichste Stadt Spaniens auf europäischem Festland. Wer will, kann hier noch im November sowohl im Mittelmeer, als auch gleich daneben im Atlantik baden. Der Mittelmeerstrand in unmittelbarer Hafennähe ist zwar klein und fein, der Atlantikstrand aber mehrere Kilometer lang und wild. Hier bieten Dünen Schutz vor jenem Wind, der Tarifa als ganzjähriges Surferparadies weltberühmt gemacht hat und dem hier auf den küstennahen Hügelzügen Europas grösste Windkraftanlage in den Weg gestellt wurde. Über 2000 sich unterschiedlich schnell oder gar nicht drehende Rotoren bieten ein ebenso unvertrautes wie eindrückliches Schauspiel und gleichzeitig das Bild einer Kunstlandschaft, die ihren Ursprung auch im Kopf eines Christo hätte haben können.

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Über Andorra von Spanien in die Schweiz










Der Winter ist gekommen, sagte ein Tankwart kurz vor der Grenze.
- Wird es da oben schneien?
- Hombre! Das nicht.
- Auch nicht auf 2500 Meter?
- Und wenn! Diese Pässe werden nie geschlossen.

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Eine kleine Reise nach Willisau.




Am Freitag waren ich und Adi Blum mit unserem Gotthelfprogramm beim Deutschclub in Neuchâtel. Er als Musiker, ich als Autor. Die Leute lachten, applaudierten, dankten. Es ging gut.
Am Samstag dann mit Tochter Babette unterwegs. Auf dem Markt, in der Epa und am Bahnhof, wo ich mich nach den Zugverbindungen nach Willisau erkundigte, wo der nächste Gotthelfauftritt stattfinden sollte. Ich wusste noch nicht, wie ich da hinkomme, erwog im Auto hinzufahren, da ich gemäss meinen Informationen, um zur rechten Zeit dort zu sein, schon um halb acht auf den Zug müsste. Die Frau von der SBB druckte mir aber eine Verbindung über Langenthal aus. Mit der Hutwyl Bahn. Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich je mit dieser Bahn gefahren bin und dachte, da stehe ja eine kleine Reise bevor.



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Grabengang

Eine Wanderung durch den sogenannten Röstigraben vom Pruntruterzipfel bis zum Matterhorn



Von Beat Sterchi

Zuerst erschienen in der Weltwoche.

1

Die rotweisse Schranke ist geöffnet. Es regnet. Kein Mensch lässt sich blicken. Durchgang mit gültigem Ausweis gestattet. Das gleiche auf Französisch. Weiter als Sägemühle fährt kein Postauto. Zu Fuss gehe ich hinaus ins Niemandsland, überquere eine Brücke, sehe bei einer Kreuzung im kleinen grauen Tal schwarzweisse Tafeln. Es sind Strassenschilder französischer Art. Porrentruy 17.
Ich bin im Ausland. Mit meinem Hund. Beide haben wir keinen Pass dabei. Und wir gehen auf einer lebensgefährlichen Strasse. Der Verkehr ist spärlich, aber wenn ein Wagen kommt, kommt er rasend. Ich nehme den Hund kurz an die Leine. Ein Laster drückt uns erbarmungslos gegen die hüfthohen Leitplanken. Von den Spritzern sind wir drecknass. Beim nächsten Wagen weichen wir auf die andere Strassenseite aus. Dann gleich wieder zurück. Immer hin und her.
Durch das Gebüsch schaue ich über den Grenzbach La Lucelle in die Schweiz hinein. Ich sehe in einen kleinen, nassen Wald, sehe durch ihn hindurch, sehe durch den ganzen Jura hindurch, sehe im Gehen über das Mittelland hinweg, sehe durch die Voralpen hindurch erhaben in sauberer Luft und in herrlichstem Sonnenschein gebadet Le Cervin, unser aller Matterhorn.
Dort will ich hin.

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