beat sterchi

W I L L K O M M E N
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I L L K O M M E N
W I L L K O M M E N
W I L L K O M M E N
W I L L K O M M E N










Aus aktuellem Anlass: Ich und Du. Wir und die Welt.

Von Marshall Macluhen, falschen Bildern und Revolutionstouristen

Von Beat Sterchi

Vor vielen Jahren verbrachte ich zwei aufregende Jahre in Tegucigalpa, der Hauptstadt der mittelamerikanischen Republik Honduras. Ich erinnere mich, wie ich zuerst monatelang unter Kulturschock stand. Die neue Realität war schlicht kaum zu bewältigen. Ich lernte zwar beflissen Spanisch, las mich ein in die Geschichte und in die aktuellen Diskussionen meines Gastlandes, schloss meinen sprachlichen Fertigkeiten entsprechende Bekanntschaften, doch war mir meine neue Umgebung noch nach Monaten derart fremd, dass mich wiederholt entmutigende Lähmungen überfielen. Die Hitze und damit eingehende gesundheitliche Störungen machten mein wirkliches, nicht nur körperliches Ankommen in dieser Stadt noch schwieriger.
Ich hatte ein bescheidenes Teilzeitpensum als Englischlehrer zu absolvieren, daneben aber die ganze übrige Zeit für mich. Dennoch unternahm ich keine Reisen, nicht einmal Ausflüge in die Vorstädte oder in die malerischen Dörfer der Umgebung. Ich war kaum fähig, die unzähligen Sinneseindrücke, die guten und die elenden, denen ich auf meinen Arbeitswegen begegnete, zu ordnen und zu verarbeiten. Meine Umgebung bestand nur aus Ungereimtheiten, aus Menschen, deren Situation ich nicht nachvollziehen konnte, aus Haltungen, die ich nicht verstand. Unablässig wurde ich mit neuen sozialen Problemen und neuen Fragen konfrontiert. So gab es kaum einen Gang ausser Haus, der nicht auf seine Art zur Entdeckungsreise, sogar zur innerurbanen Weltreise durch mir fremde Kulturen wurde. Es dauerte fast ein Jahr, ehe ich das Bedürfnis verspürte, mich mit einem Ausflug an die Küste oder in eines der benachbarten Länder, weiteren, neuen Eindrücken und Fragen auszusetzen.
Es ist vor diesem Hintergrund, dass ich der neuzeitlichen Berichterstattung wie wir sie heute kennen, zu misstrauen begann. Dieses Bewusstsein um die komplexe Eigenständigkeit fremder Kulturen, mögen sie nach unseren Statistiken noch so unbedeutend sein, erfüllt mich besonders am Fernsehen bei den gängigen zweiminütigen Info-Häppchen regelmässig mit Unverständnis und Abscheu. Was geht im Kopf der Moderatorin von Sendungen wie 10 vor 10 von SFR zum Beispiel vor, wenn sie in drei Minuten von drei Katastrophen auf drei Kontinenten berichten muss? Vermutlich nichts. Was sie aber vermittelt, ist die vermeintliche Durchschaubarkeit des Fremden. Sie vermittelt das falsche Gefühl, mit einigen scheinbar authentischen Bildern und ein paar Worten Text, liesse sich die Welt vom Sofa aus erklären und verstehen.
Auch den sogenannten Qualitätsmedien begegne ich diesbezüglich seit meinem eigenen Aufenthalt in einem fernen, mir kulturell fremden Land mit Skepsis. Sind die gesellschaftlichen Konflikte und die entsprechenden politischen Entwicklungen gerade in Lateinamerika derart durchsichtig, dass es Sinn macht, aus Mexiko Korrespondentenberichte über Brasilien, aus Argentinien solche über Peru und aus Chile solche über Kolumbien zu liefern. Oder anders gefragt: Wie hoch ist ein Bericht des Time-Life-Europakorrespondenten mit Sitz in London über innerschweizerische gesellschaftliche Veränderungen einzustufen?
Es ist vielleicht einer der grössten Trugschlüsse unserer Zeit, dass wir Marshall Macluhen mittlerweile 50 jährige These vom global village vom globalen Dorf, falsch verstehen. Während er die realitätsverändernde Funktion des Fernsehens frühzeitig erkannte, verwechseln wir die neue Struktur mit einem Resultat und fühlen uns plötzlich auf der ganzen Welt zuhause, und zwar mit einer selbstherrlichen Überheblichkeit, die sogar die Arroganz der Kolonialisten des letzten Jahrhunderts übertrifft. Als Touristen machen wir ganze Kontinente zu unseren Spielwiesen und gerade die geschundensten Länder zu unserem angeblichen Paradies. In einigen Fällen, wenn sich die bunten Bilder-Häppchen am Fernsehen besonders unter südlich blauen Himmeln mit schillernden Helden und ansprechender Begleitmusik romantisieren lassen, besinnen wir uns auch noch auf unser schlechtes Wohlstandsgewissen und werden ausgerüstet mit ein paar spärlichen Minuten Fernsehtext im Kopf, zu jettenden Revolutionstouristen, sei es in Asien, Afrika oder wie eben jetzt gerade wieder in Mexiko. Als ob nicht jede Gesellschaft mindestens den Respekt und die Freiheit verdiente, sich selbst umbauen zu dürfen, ohne zur Projektionsfläche unterforderter Wohlstandsmenschen zu verkommen.

Amnesty International Standpunkt
18. Mai 1998
Und kein Bitz überholt.












Hörspiel DRS 1
«Bitzius» von Beat Sterchi

jetzt hören

Er war ein Mann des Wortes und ein Kämpfer für soziale Gerechtigkeit: Pfarrer Albert Bitzius, der als Dichter Jeremias Gotthelf berühmt wurde. Die unbändige Macht seiner berndeutsch grundierten Sprache steht im Zentrum des Hörspiels von Beat Sterchi, das 2004 zu Gotthelfs 150. Todestag entstand.

Gotthelf ist für viele bis heute ein Denkmal geblieben. Ein Garant für die heile, bäuerliche Welt einer Schweiz im Stillstand. Dabei geht gern vergessen, dass Gotthelf zu Lebzeiten höchst umstritten war. Nicht nur literarisch, sondern vor allem in seiner bürgerlichen Existenz als Pfarrer Albert Bitzius. Da machte er sich durch sein soziales Engagement viele Feinde. Als Schulinspektor war Bitzius ab 1835 zehn Jahre lang zuständig für 18 Schulen im Emmental.

Er legte sich mit Lehrern, bildungsfernen Bauern und der Obrigkeit an, bis man ihn aus dem Amt jagte. In seinem Hörspiel montiert Beat Sterchi Auszüge aus Briefen, Reden, Artikeln und Predigten zu einem neuen, ebenso musikalischen wie vergnüglichen Gotthelf-Bild, das viele moderne Assoziationen weckt. Das Ergebnis «stellt Gotthelf nicht auf den Kopf, aber vielleicht neben dem Denkmal auf die eigenen Füsse» (Beat Sterchi).

Mit: Ueli Jäggi (Bitzius), Bettina Stucky (Frau Bitzius), Rahel Hubacher (Henriette, die ältere Tochter), Sonja Gertsch (Cécile, die jüngere Tochter), Marlise Fischer (Marie, die Halbschwester)

Regie: Charles Benoit, Produktion: SRF 2004. Dauer: 52'






















Mehr zu Bitzius








Adolf Dietrich (1877 – 1957). Balbo, auf der Wiese liegend. 
1955 ©Kunstmuseum Thurgau
















Ja, sagt er, es ist ein junger Hund.
Ist es Ihr Hund?
Ja, es ist mein Hund.
Ein schöner Hund.
Dann wurde es wieder still im Treppenhaus.


Ja, seit är, es isch ä junge Hung.
Isch es öiä Hung?
Ja, es isch mi Hung.
Ä schöne Hung.
Nächär het me wider nüt me ghört im Schtägehuus.



Hans Holbein:
Aushängeschild eines Schulmeisters










Schweizerdeutsch für Deutsche

Wo ihr fegt da tun wir wischen,
und dem Angeln sagen wir halt Fischen.
Anstatt doch doch sagen wir: mo mou.
Für ganz ernsthaft einfach: ohni Kou.
Bitte sehr, heisst hier: was wotsch?
Und die dumme Kuh, das ist der Totsch.

mehr

DIE AARE IST DIE AARE



D AARE 

D Aare isch d Aare
D Aare isch d Aare
D Aare isch äbe d Aare

D Aare isch üse Bach
D Aare isch üse Fluss
D Aare isch üse Weier
üse See, üse Schtrohm
D Aare isch üses Meer

D Aare isch üsi Quelle
D Aare isch üse Brunne
D Aare isch üses Elexir
üses Weihwasser
D Aare isch üsi Göttermiuch

D Aare isch d Aare
D Aare isch d Aare
D Aare isch äbe d Aare

D Aare weiss, was sie wott
D Aare het immer wyt
D Aare blybt nid all pott
a jedem Egge stah
D Aare vrgüdet ke Zyt
D Aare wott eifach gah






We d Aare eim unger de Brügge
düretreit uf ihrem nasse Rügge
de cha me lose,
wies ere geit
u was sy grad so seit

Was d Aare d säge hett
das chüschelet si uf em Grund
dert schiebt si Chempe dür ihres Bett
meh aus 1000 Kilo pro Schtund

Ds Nacht isch d Aare schwarz
im Winter mängisch grau
D Aare isch grüen
mängisch ä chly brun u grau
mängisch o fett
aber sicher nie blau

D Aare isch immer früsch
u meischtens chaut
D Aare isch immer jung
D Aare wird im Läbe nie aut

Aube hetts Lachse drin gha
bis vor churzem o Hechte
hüt het’s no Äsche u Barsche
U unger dä Wäue
o no öppe ne Forälle

Aus Schtrass
Het me se chönna bruuche
Uf Floss u mit Weidlinge
het me Houz u Vieh
chönne i d Wäut usebringe

Ine feschte Louf lat si sech zwänge
aber auii Muuure wo s gyt
länge nid für se ewig ds dämme

me cha se chly schtoue
aber ihri Wäge
nume churz vrboue
vom Marzili bis zur Schtouwehr
macht si um d Stadt ä schöne Cher

ruhig dräit si hie ire Rundi
fasch wie ne Spaziergng am Sundi


aber chum isch si da
isch si uf u drvo
si luegt nid linggs
si luegt nid rächts

d Aare wott
geng wyter
Uf Aarbärg
Uf Aarburg
Uf Aarwangen
U uf Wange a dr Aare

D Aare chunnt u geit
d Aare isch keni
wo lang dasume schteit

D Aare isch d Aare
D Aare isch d Aare
D Aare isch äbe d Aare



D Aare isch üse Nil
D Aare isch üse Jordan
D Aare isch üse Euphrat
D Aare isch üse Tigris
Üse Ganges
Üse Amazonas u üse Tiber
D Aare isch üse Mekong
D Aare isch üse Missisippi
D Aare isch üse Youkon
Üse Orinoco u üse Ebro
üse Xingu u üse Duero
D Aare isch üse Jangste
D Aare isch üsi Wolga, üse Kongo
D Aare isch üse Rio Grande.


D Aare isch d Aare
D Aare isch d Aare
D Aare isch äbe d Aare

D Aare chunnt u geit
D Aare isch keni
wo lang dasume schteit

D Aare isch d Aare
D Aare isch d Aare
D Aare isch äbe d Aare

D Aare chunnt u geit
d Aare isch keni
wo lang dasume schteit

Ferdinand Hodler, Aare bei Solothurn

Dir syt no nie ds Solothurn gsy?
Göht doch mau uf Solothurn!
Auii sötte mau uf Solothurn.
Solothurn isch nämlech schön.

***

Renato Guttuso: Landbesetzung in Sizilien 1949













Die einen kommen, die andern gehen. 

Simon Bolívar  erwacht:

»Ich erwache alle hundert Jahre, wenn das Volk erwacht.«

Pablo Neruda: Canto a Bolívar/Gesang für Bolívar

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Zu beklagen ist der Tod eines Dichters:














Roberto Sosa (18 April, 1930 - 23 May, 2011)

DIE ARMEN

Der Armen sind viele
und darum
kann man sie nicht vergessen.

Bestimmt
sehen sie
wenn sie aufwachen im Morgendunst
jene Häuserreihen
die sie mit ihren Kindern
gerne bewohnen würden.

Den Sarg
eines Sternes
den könnten sie
auf ihren Schultern tragen.
Wie tobende Vögel
können sie Luft zerstören,
die Sonne vernebeln.

Aber diese Schätze verleugnend,
treten sie ein und aus
durch blutige Spiegel;
gehen immer weiter und sterben langsam

Darum
kann man sie nicht vergessen.



Deutsch: © Beat Sterchi



LOS POBRES

LOS pobres son muchos
y por eso
es imposible olvidarlos.

Seguramente
ven
en los amaneceres
multiples edificios
donde ellos
quisieren habitar con sus hijos.

Pueden
llevar en hombros
el féretero de una estrella.
Pueden
destruir el aire como aves furiosas,
nublar el sol.

Pero desconociendo sus tesoros
entran y salen por espejos de sangre;
caminan y mueren despacio.

Por eso
es imposible olvidarlos.






Vrruckti Tier! Spi spa spoken word!
Neue CD für Kinder und Junggebliebene:











Bern ist überall: «Verruckti Tier».
Verlag Der gesunde Menschenversand, 2010
ISBN: 978-3-905825-20-6
SFr. 28.-/ 18.50
Audio-CD, 60 Min.
Hier bestellen  (portofrei)

Noch mehr Spoken Word für Kinder
Verruckti Tier, freche Kinder, Bratwurstjoghurt und Sugus: In 30 Texten und mit viel Musik bringt das Spoken-Word-Ensemble “Bern ist überall“ die Welt auf spielerische Art durcheinander. Für Kinder ab 7 Jahren und Familien. Die CD wurde live aufgenommen im Jungen Schauspielhaus Zürich und in Kooperation mit Schweizer Radio DRS (Sendung “Zambo“) realisiert.

Die beteiligten Autoren/Musiker: Christian Brantschen, Arno Camenisch, Elsa Fitzgerald, Noëlle Revaz, Guy Krneta, Pedro Lenz, Gerhard Meister, Margrit Rieben, Michael Stauffer, Beat Sterchi.




Aus aktuellem Anlass:



F I G U G E G L

(Fondue isch guet und gyt e guete Luun)


Was gyts Fondue?
Mache sy Fondue?
Gyts hie Fondue?
Itz aber nid Fondue?

Jö immer dä Chäs.
Immer nume Chäs.
Immer so viuu Chäs.
Immer nume Chäs.

Jö geng Fondue.
Immer Fondue.
Scho wyder Fondue.
Weyter itz Fondue?

Me seit nid Fóndue
Me seit Fondúe.
Seit me nid Fóndue?
Nei me seit Fondúe.

U när dr Chnoblouch.
Immer Chnoblouch.
När schtinksch nach Chnoblouch.
Immer schtinksch nach Chnoblouch.

Hesch nid gärn Fondu?
Mr hei gärn Fondue?
Het si nid gärn Fondue?
Ig ha gärn Fondue.

Tüät dir rüere?
Wär tuet rüere?
Öpper muess rüere.
Öpper muess gäng rüere.

Daisch aber es feins Fondue.
Gäu, das isch es feins Fondue.
Daisch de ganz es feins Fondue.
Daisch so nes feins Fondu.

Me seit nid Fóndue
Me seit Fondúe.
Seit me nid Fóndue?
Nei me seit Fondúe.

Chönnti no ds Brot?
Bitte no chly Brot.
Wettsch du no Brot?
Isch guet das Brot.

Daisch aber es feins Fondue.
Gäu, das isch es feins Fondue.
Daisch de ganz es feins Fondue.
Daisch so nes feins Fondu.

Isch es Moitié-Moitié?
Ja es isch Moitié-Moitié.
Mir mache o geng Moitié-Moitié.
Ig mache nume Moitié-Moitié.


Tüät dir rüere?
Wär tuet rüere?
Dir müsst rüere.
Dir müesst meh rüere.

Itz hesch es la gheie.
Hesch du das la geheie ?
Wär het das la geheie?
Das hanni la geheie.

No chly Mutschgetnuss ?
Wett öpper no Mutschgetnuss.
Ig nime nid viu Mutschgetnuss
Ig nimme ke Mutschgetnuss.


Aber Kirsch nimmsch scho?
Kirsch nimmsch nid o?
I ha dr Kirsch o gärn äso.
Ja, e chly Kirsch nimmeni o.

Muess das so si mit em Für?
Was isch mit em Für?
Isch öppis mit em Für?
Gäu du luegsch scho wägem Für.

Weisch du ä nöiä Witz?
Wär verzeut de itz e Witz?
Itz vrzeut me doch ä Witz.
Weiss niemer ä Witz?

Tüät dir rüere?
Wär tuet rüere?
Dir dörft nid höre rüere!
Dir müesst meh rüere.

Daisch aber es feins Fondue.
Gäu, das isch es feins Fondue.
Daisch de ganz es feins Fondue.
Disch so nes feins Fondu.


Me seit nid Fóndue
Me seit Fondúe.
Seit me nid Fóndue?
Nei me seit Fondúe.

© BPS 2010 
RIPRODUZIONE RISERVATA


Sprachkurs:
Schweizerdeutsch  für unsere Deutschen Mitbürger und Mitbürgerinnen.

Wo Ihr springt da tun wir gumpen,
das Taschentuch heisst der Nasenlumpen.
Verdammt heisst Gopferdeckel,
und der Schweinehund Schafseckel.
Haut d'Schnurre heisst halt den Mund!
Und der Gauner ist der Lumpenhund.

mehr Berndeutsch für Deutsche

© BPS 2010


Zehn alltägliche Redewendungen auf Schweizerisch in der Berndeutschen Variante.

1.

KÖNNTEST DU NICHT ENDLICH AUFHÖREN, AUF MIR HERUMZUHACKEN?

MUESS DAS SY?

2.

LASS DICH NICHT AUS DER RUHE BRINGEN!

NUME SÜFERLI.

3.

DAS HAST DU ABER AUSGEZEICHNET HINGEKRIEGT!

NID SCHLÄCHT.

4.

HABE ICH ES DIR NICHT GLEICH GESAGT?

HESCH GSEH?

5.

ICH FINDE, DAS SOLLTEST DU DIR NOCHMALS ÜBERLEGEN.

GEIT’S NO?

6.

ICH WÄRE DIR SEHR VERBUNDEN, WENN DU DAS BLEIBEN LASSEN KÖNNTEST.


HÖRSCH UF?

7.

IRGENDWANN MUSS ABER DOCH MAL SCHLUSS SEIN!

ES LÄNGT ITZ!

7.

KANNST DU DICH DENN NIE EIN BISSCHEN UNTER KONTROLLE HALTEN?

SCHPINNSCH WYDER?

8.

MENSCH TU TRÄGST ABER BITTE SORGE ZU DIR!

U DU PASS UF GÄU!

9.

NUR MIT DER RUHE WIR KOMMEN JA SCHON!

NUME NID GSPRÄNGT!

10.

WIE IST DENN NUN DAS WIEDER ZU VERSTEHEN?

HÄÄ?

© BPS 2010



Lesung

Ich war noch nie an einer Lesung.
Du warst noch nie an einer Lesung?
Er war auch noch nie an einer Lesung.
War sie schon an einer Lesung?
Wir waren auch schon an einer Lesung.
Ihr wart schon oft an einer Lesung.
Sie waren noch nie an einer Lesung.
Waren sie noch nie an einer Lesung?


© BPS 2010


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Kees van Dongen: Montmartre


           
Place Léon Blum

vor dem Bistrot
gleich beim Eingang
zur Metro
spielt sich einer
von Ton zu Ton
auf einem Akkordeon
die ganze Welt
geht hier vorbei
auch drei Damen
drei Herren
von der Polizei
und einer spielt sich
von Ton zu Ton
auf einem Akkordeon

©
BPS 2010


Paris

In Paris werde ich besser schreiben können. Noch eine halbe Stunde, dann ist der Zug in Paris und ich werde besser schreiben können. Wäre ja noch schöner, wenn ich in Paris nicht besser schreiben könnte. In Paris werde ich viel besser schreiben können. In Paris haben schon immer alle viel besser schreiben können. Hemingway hat in Paris viel besser geschrieben als er vorher zu Hause im mittleren Westen geschrieben hat. In diesem Café an der Place Saint-Michel in Paris konnte Hemingway viel besser schreiben. Schon Gertrud Stein hat allen gezeigt, dass man in Paris viel besser schreiben kann. In Paris muss man nur tief einatmen, dann ist sofort klar, dasss man in Paris besser schreiben kann. Hemingway hat in dem Café an der Place Saint-Michel in Paris jeden Morgen eine Geschichte geschrieben. Ich werde mir in Paris auch ein Café suchen und jeden Tag besser schreiben. Ich werde dort eine Geschichte schreiben, die besser ist als alles, was ich je geschrieben habe. In Paris hat noch immer jeder besser geschrieben. George Orwell hat in Paris auch besser geschrieben. Auch Günter Grass hat in Paris besser geschrieben. Seit man unter einem Bett in einer Hinterhofwohnung ein Manuskript der Blechtrommel gefunden hat, weiss jeder, dass Günter Grass in Paris sehr gut hat schreiben können. Auch Herr Nizon hat in Paris besser geschrieben. In Paris kann jeder besser schreiben. Ich werde in Paris auch viel besser schreiben. In Paris schreibt man besser. In Paris wird besser geschrieben. Sogar Henry Miller hat in Paris besser geschrieben und Anais Nin hat nie wieder so gut geschrieben, wie sie in Paris geschrieben hat. Gerade auf Englisch konnten in Paris alle besser schreiben. Auf Chinesisch wurde das Beste ausnahmslos in Paris geschrieben. Und seit César Vallejo und Pablo Neruda in Paris geschrieben haben, kann in Paris auch jeder auf Spanisch besser schreiben. Herr Vargas Llosa hat in Paris viel besser als in Peru geschrieben. Was Herr Vargas Llosa während er vormittags bei einem Radiosender arbeitete, nachmittags und abends in Paris gschrieben hat, hätte Herr Vargas Llosa nirgends so gut schreiben können, wie er es in Paris geschrieben hat. So gut wie in Paris hat Herr Vargas Llosa nie mehr geschrieben. Gabriel García Márquez hat Hundert Jahre Einsamkeit nicht in Paris geschrieben, aber in Paris hätte er Hundert Jahre Einsamkeit noch viel besser geschrieben. Und Joseph Roth! Und Walter Benjamin! Und Tucholsky! Und Franz! Und Fritz! Und Sherwood Anderson! Und Faulkner! Faulkner liess sich in Paris nicht nur einen Bart wachsen! Faulkner hat in Paris und nach Paris auch noch besser geschrieben als vor Paris. Und der junge Diggelman, der in Paris über die Boulevards ging und seine Texte in einen Kassettenrekorder sprach, hat nie mehr so gut geschrieben wie in diesem Paris, wo schon diese Herren Sartre und Camus und all diese Damen mit all diesen schönen Namen besser geschrieben haben. In Paris brauchten sie nur durch die Strassen zu gehen und schon konnten sie alle besser schreiben. Ich werde in Paris auch viel besser schreiben. Immerhin hat Becket Warten auf Godot in Paris geschrieben. Becket hat in Paris sogar auf Französisch besser geschrieben. Dass Eugène Ionesco in Paris viel besser gschrieben hat als er vor Paris geschrieben hat, ist unbestritten. James Joyce hat in Paris bis zu seinem Tod immer noch besser geschrieben. Und wie viel besser hat Rainer Maria Rilke in Paris geschrieben! Keiner hat in Paris so viel besser wie Rainer Maria Rilke geschrieben. Kaum hatte sich Rainer Maria Rilke in Paris ein bisschen im Zoo herumgetrieben, hat er in Paris plötzlich den Panther geschrieben:

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille,
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch die Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Das hat Rainer Maria Rilke in Paris geschrieben. So etwas kann man nur in Paris schreiben! Ich werde in Paris auch viel, viel besser schreiben. In Paris hat noch jeder besser geschrieben.















Maurice Utrillo, Le passage Cottin





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Neu:



«Ging Gang Gäng» ist eine Sammlung von über 50 Mundart-Texten, die in den letzten Jahren für Spoken-Word-Auftritte oder als Nebenprodukte zu Theaterstücken entstanden sind. Es sind Minidramen, Mantras, Wörtersammlungen, Gotthelf-Gedichte oder kurze Geschichten über die Kunst, das Lesen oder das Essen und Trinken. Sie leben alle vom Sprachrhythmus, von Klangbildern und der steten Wiederholung von Sprachfetzen aus dem Alltag.


Loosli läse
Wüsset dir de nid, dass me dr Loosli muess läse?
Heyt dir no nie Loosli gläse?
Was? Dir heyt no nie Loosli gläse?
Wie bitte? Die het no nie Loosli gläse?
Werum het itz die no nie Loosli gläse?
Die cha doch nid eifach nid Loosli läse?
Weiss die de nid, dass me sött Loosli läse?
Wie chunnt die drzue, dr Loosli nid ds läse?
Wo chiemte mr o hi, we auii eifach dä Loosli nid
würde läse?
Was faut dene itz o i, dr Loosli nid ds läse?

Aus: Ging Gang Gäng

©
BPS
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DR LOOOO OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO SLI
Carl Albert Loosli 1877-1959

50 Ohs zum 50. Todestag als pdf








C.A. Loosli

«Ausgegrenzt, streitlustig, geachtet - ein Abend zum 50. Todestag von Carl Albert Loosli.»

Hommage: Dr Loosli

Dr Loosli, oder?
Dr Loosli, wüsster!
Dr Loosli, verstöhter?
Dr Loosli oder?
Dr Loosli müässt dr wüssä!
Wüu dr Loosli, dr Loosli!
Wüu dr Loosli denn ds Bümpliz!
Wüu dr Loosli, denn mit syne Artikle!
Wüu dr Loosli, denn mit em Hodler!
We me drum bym Loosli luägt!
We me drum ä Loosli dänkt!
Was dr Loosli het gseyt!
U was dr Loosli eigentlech!
Wüä dr Loosli het ja scho!
Dr Loosli het ja scho denn!
Dr Loosli het ja scho immer!
Dr Loosli het das aus !
Dr Loosli, oder?
Dr Loosli, wüsster?
Dr Loosli, verstöhter?
Dr Loosli, oder?


© BPS





Aus aktuellem Anlass:

1. August 2010


Schnelltell. ch





Schillers Tell auf Sprichworte reduziert.

Fischer Ruodi:

Mach hurtig, Jenni. Zieh die Naue ein.
Der Sturm wird da sein, eh wir’s denken.

Hirte Kuoni:

Frisch, Fährmann schaff den Biedermann hinüber!

Fischer Ruodi:

Geht nicht.

Kuoni:

Dem nächsten muss man helfen.

Tell:

Wo’s not tut Fährmann, lässt sich alles wagen.

Fortsetzung: Hier klicken

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Der Eiffelturm ist hoch.
Der Eiffelturm ist schön.
Paris ist schön.
Paris ist gross.
Paris ist Paris.                       mehr aus Paris


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Vom schönen Reden reden.



Wir reden.

Wir können
schönreden
und schön reden.


Wir reden schön.
Wir reden viel.

Schön ist,
schön zu reden,
ohne schönzureden.

als  pdf

und 

DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE

als pdf

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Von Interesse in Sachen KUH: Das erste Schweizer Grounding.  Ein Essay  über das traurige Abstürzen einer einst ehrbaren Schweizer Kuhrasse.





ZWEIGEBEN
DREIGEBEN
VIERGEBEN
FÜNFGEBEN
SECHSGEBEN
SIEBENGEBEN
ACHTGEBEN

© BPS







1968 - 2008:

Die Altachtundsechziger

Drei Männerporträts aus aktuellem Anlass.

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Zu Ehren des Dichters!

Franz Aebischer  (21.8.1941 - 11.2.2008) ist am 21. Juni 2008 auf der Alp Spielmannda im Rahmen einer schönen und würdigen Feier beerdigt worden.


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