beat sterchi
Ferdinand Hodler: Lesender Mann


Aus aktuellem Anlass: 100 Jahre Niesenbahn







Ferdinand Hodler: Der Niesen


Der Niesen

Der Niesen erhebt sich, breitet sich aus, trotzt. Der Niesen steht dunkel und klar vor den Schneebergen wie eine Pyramide.
Abends brennt auf dem Niesen ein Licht, das Niesenlicht.
Tagsüber fährt eine Bahn hinauf und am Rand des Thunersees stehen Landschaftsmaler mit langen Pinseln in den Kleefeldern und versuchen ihre komplizierte Kunst an seiner Einfachheit.
Der Niesen ist 2362 Meter hoch.
Eine Fahrt zum Gipfel kostet 23.- Franken pro Person. Kinder die Hälfte. Coelinblau für den Himmel gibt es von Schminke bei Farbwaren Schneider für 6.90 eine kleine Tube.

Aus: Auch sonntags etwas Kleines.














Sprachkurs:
Schweizerdeutsch  für unsere Deutschen Mitbürger und Mitbürgerinnen.

Wo Ihr springt da tun wir gumpen,
das Taschentuch heisst der Nasenlumpen.
Verdammt heisst Gopferdeckel,
und der Schweinehund Schafseckel.
Haut d'Schnurre heisst halt den Mund!
Und der Gauner ist der Lumpenhund.

© BPS 2010


Zehn alltägliche Redewendungen auf Schweizerisch in der Berndeutschen Variante.

1.

KÖNNTEST DU NICHT ENDLICH AUFHÖREN, AUF MIR HERUMZUHACKEN?

MUESS DAS SY?

2.

LASS DICH NICHT AUS DER RUHE BRINGEN!

NUME SÜFERLI.

3.

DAS HAST DU ABER AUSGEZEICHNET HINGEKRIEGT!

NID SCHLÄCHT.

4.

HABE ICH ES DIR NICHT GLEICH GESAGT?

HESCH GSEH?

5.

ICH FINDE, DAS SOLLTEST DU DIR NOCHMALS ÜBERLEGEN.

GEIT’S NO?

6.

ICH WÄRE DIR SEHR VERBUNDEN, WENN DU DAS BLEIBEN LASSEN KÖNNTEST.


HÖRSCH UF?

7.

IRGENDWANN MUSS ABER DOCH MAL SCHLUSS SEIN!

ES LÄNGT ITZ!

7.

KANNST DU DICH DENN NIE EIN BISSCHEN UNTER KONTROLLE HALTEN?

SCHPINNSCH WYDER?

8.

MENSCH TU TRÄGST ABER BITTE SORGE ZU DIR!

U DU PASS UF GÄU!

9.

NUR MIT DER RUHE WIR KOMMEN JA SCHON!

NUME NID GSPRÄNGT!

10.

WIE IST DENN NUN DAS WIEDER ZU VERSTEHEN?

HÄÄ?

© BPS 2010



Lesung

Ich war noch nie an einer Lesung.
Du warst noch nie an einer Lesung?
Er war auch noch nie an einer Lesung.
War sie schon an einer Lesung?
Wir waren auch schon an einer Lesung.
Ihr wart schon oft an einer Lesung.
Sie waren noch nie an einer Lesung.
Waren sie noch nie an einer Lesung?


© BPS 2010


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Kees van Dongen: Montmartre


           
Place Léon Blum

vor dem Bistrot
gleich beim Eingang
zur Metro
spielt sich einer
von Ton zu Ton
auf einem Akkordeon
die ganze Welt
geht hier vorbei
auch drei Damen
drei Herren
von der Polizei
und einer spielt sich
von Ton zu Ton
auf einem Akkordeon

©
BPS 2010


Paris

In Paris werde ich besser schreiben können. Noch eine halbe Stunde, dann ist der Zug in Paris und ich werde besser schreiben können. Wäre ja noch schöner, wenn ich in Paris nicht besser schreiben könnte. In Paris werde ich viel besser schreiben können. In Paris haben schon immer alle viel besser schreiben können. Hemingway hat in Paris viel besser geschrieben als er vorher zu Hause im mittleren Westen geschrieben hat. In diesem Café an der Place Saint-Michel in Paris konnte Hemingway viel besser schreiben. Schon Gertrud Stein hat allen gezeigt, dass man in Paris viel besser schreiben kann. In Paris muss man nur tief einatmen, dann ist sofort klar, dasss man in Paris besser schreiben kann. Hemingway hat in dem Café an der Place Saint-Michel in Paris jeden Morgen eine Geschichte geschrieben. Ich werde mir in Paris auch ein Café suchen und jeden Tag besser schreiben. Ich werde dort eine Geschichte schreiben, die besser ist als alles, was ich je geschrieben habe. In Paris hat noch immer jeder besser geschrieben. George Orwell hat in Paris auch besser geschrieben. Auch Günter Grass hat in Paris besser geschrieben. Seit man unter einem Bett in einer Hinterhofwohnung ein Manuskript der Blechtrommel gefunden hat, weiss jeder, dass Günter Grass in Paris sehr gut hat schreiben können. Auch Herr Nizon hat in Paris besser geschrieben. In Paris kann jeder besser schreiben. Ich werde in Paris auch viel besser schreiben. In Paris schreibt man besser. In Paris wird besser geschrieben. Sogar Henry Miller hat in Paris besser geschrieben und Anais Nin hat nie wieder so gut geschrieben, wie sie in Paris geschrieben hat. Gerade auf Englisch konnten in Paris alle besser schreiben. Auf Chinesisch wurde das Beste ausnahmslos in Paris geschrieben. Und seit César Vallejo und Pablo Neruda in Paris geschrieben haben, kann in Paris auch jeder auf Spanisch besser schreiben. Herr Vargas Llosa hat in Paris viel besser als in Peru geschrieben. Was Herr Vargas Llosa während er vormittags bei einem Radiosender arbeitete, nachmittags und abends in Paris gschrieben hat, hätte Herr Vargas Llosa nirgends so gut schreiben können, wie er es in Paris geschrieben hat. So gut wie in Paris hat Herr Vargas Llosa nie mehr geschrieben. Gabriel García Márquez hat Hundert Jahre Einsamkeit nicht in Paris geschrieben, aber in Paris hätte er Hundert Jahre Einsamkeit noch viel besser geschrieben. Und Joseph Roth! Und Walter Benjamin! Und Tucholsky! Und Franz! Und Fritz! Und Sherwood Anderson! Und Faulkner! Faulkner liess sich in Paris nicht nur einen Bart wachsen! Faulkner hat in Paris und nach Paris auch noch besser geschrieben als vor Paris. Und der junge Diggelman, der in Paris über die Boulevards ging und seine Texte in einen Kassettenrekorder sprach, hat nie mehr so gut geschrieben wie in diesem Paris, wo schon diese Herren Sartre und Camus und all diese Damen mit all diesen schönen Namen besser geschrieben haben. In Paris brauchten sie nur durch die Strassen zu gehen und schon konnten sie alle besser schreiben. Ich werde in Paris auch viel besser schreiben. Immerhin hat Becket Warten auf Godot in Paris geschrieben. Becket hat in Paris sogar auf Französisch besser geschrieben. Dass Eugène Ionesco in Paris viel besser gschrieben hat als er vor Paris geschrieben hat, ist unbestritten. James Joyce hat in Paris bis zu seinem Tod immer noch besser geschrieben. Und wie viel besser hat Rainer Maria Rilke in Paris geschrieben! Keiner hat in Paris so viel besser wie Rainer Maria Rilke geschrieben. Kaum hatte sich Rainer Maria Rilke in Paris ein bisschen im Zoo herumgetrieben, hat er in Paris plötzlich den Panther geschrieben:

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille,
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch die Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Das hat Rainer Maria Rilke in Paris geschrieben. So etwas kann man nur in Paris schreiben! Ich werde in Paris auch viel, viel besser schreiben. In Paris hat noch jeder besser geschrieben.















Maurice Utrillo, Le passage Cottin





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Neu:



«Ging Gang Gäng» ist eine Sammlung von über 50 Mundart-Texten, die in den letzten Jahren für Spoken-Word-Auftritte oder als Nebenprodukte zu Theaterstücken entstanden sind. Es sind Minidramen, Mantras, Wörtersammlungen, Gotthelf-Gedichte oder kurze Geschichten über die Kunst, das Lesen oder das Essen und Trinken. Sie leben alle vom Sprachrhythmus, von Klangbildern und der steten Wiederholung von Sprachfetzen aus dem Alltag.


Loosli läse
Wüsset dir de nid, dass me dr Loosli muess läse?
Heyt dir no nie Loosli gläse?
Was? Dir heyt no nie Loosli gläse?
Wie bitte? Die het no nie Loosli gläse?
Werum het itz die no nie Loosli gläse?
Die cha doch nid eifach nid Loosli läse?
Weiss die de nid, dass me sött Loosli läse?
Wie chunnt die drzue, dr Loosli nid ds läse?
Wo chiemte mr o hi, we auii eifach dä Loosli nid
würde läse?
Was faut dene itz o i, dr Loosli nid ds läse?

Aus: Ging Gang Gäng

©
BPS
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DR LOOOO OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO SLI
Carl Albert Loosli 1877-1959

50 Ohs zum 50. Todestag als pdf








C.A. Loosli

«Ausgegrenzt, streitlustig, geachtet - ein Abend zum 50. Todestag von Carl Albert Loosli.»


Freitag, 27. August 2010
im Bären Münchenbuchsee




Hommage: Dr Loosli

Dr Loosli, oder?
Dr Loosli, wüsster!
Dr Loosli, verstöhter?
Dr Loosli oder?
Dr Loosli müässt dr wüssä!
Wüä dr Loosli, Dr Loosli!
Wüä dr Loosli denn aus Dichter!
Wüä dr Loosli, denn ds Bümpliz!
Wüä dr Loosli, denn mit syne Artikle!
Dr Loosli denn mit em Hodler!
We me drum bym Loosli luägt!
We me drum ä Loosli dänkt!
Was dr Loosli het gseyt!
U was dr Loosli eigentlech!
Wüä dr Loosli het ja scho!
Dr Loosli het ja scho denn!
Dr Loosli het ja scho immer!
Dr Loosli het das aus !
Dr Loosli, oder?
Dr Loosli, wüsster?
Dr Loosli, verstöhter?
Dr Loosli, oder?

©
BPS





Aus aktuellem Anlass:

1. August 2010


Schnelltell. ch





Schillers Tell auf Sprichworte reduziert.

Fischer Ruodi:

Mach hurtig, Jenni. Zieh die Naue ein.
Der Sturm wird da sein, eh wir’s denken.

Hirte Kuoni:

Frisch, Fährmann schaff den Biedermann hinüber!

Fischer Ruodi:

Geht nicht.

Kuoni:

Dem nächsten muss man helfen.

Tell:

Wo’s not tut Fährmann, lässt sich alles wagen.

Fortsetzung: Hier klicken

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Der Eiffelturm ist hoch.
Der Eiffelturm ist schön.
Paris ist schön.
Paris ist gross.
Paris ist Paris.                       mehr aus Paris


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Vom schönen Reden reden.



Wir reden.

Wir können
schönreden
und schön reden.


Wir reden schön.
Wir reden viel.

Schön ist,
schön zu reden,
ohne schönzureden.

als  pdf

und 

DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE
DAS NAHELIEGENDE

als pdf

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Von Interesse in Sachen KUH: Das erste Schweizer Grounding.  Ein Essay  über das traurige Abstürzen einer einst ehrbaren Schweizer Kuhrasse.





ZWEIGEBEN
DREIGEBEN
VIERGEBEN
FÜNFGEBEN
SECHSGEBEN
SIEBENGEBEN
ACHTGEBEN

© BPS







1968 - 2008:

Die Altachtundsechziger

Drei Männerporträts aus aktuellem Anlass.

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Zu Ehren des Dichters!

Franz Aebischer  (21.8.1941 - 11.2.2008) ist am 21. Juni 2008 auf der Alp Spielmannda im Rahmen einer schönen und würdigen Feier beerdigt worden.


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